Vorstellungsgespräche über Skype

Bewerbungen per Software und Videoaufzeichnung begegnen uns zunehmend. Die Aufsichtsbehörde NRW berichtete in ihrem Tätigkeitsbericht über das Angebot eines Unternehmens, aufgenommene Interviews von Bewerbern mit Hilfe einer Sprachanalyse-Software zu bewerten. Von der Datenschutz-Aufsichtsbehörde wurde dieser Ansatz ausgesprochen kritisch bewertet. Auch über die Telefonsoftware Skype werden bereits Bewerbungsgespräche geführt: Das Regierungspräsidium Stuttgart allerdings wehrte sich gegen den Einsatz von Skype. Ihr Argument: die „persönliche Teilnahme am Bewerbungsgespräch sei nicht verhandelbar“. Diese Entscheidung wurde in den Medien stark diskutiert und letztendlich als nicht zeitgemäß eingestuft. Das Kultusministerium in Baden-Württemberg überlegte daraufhin, die Vorschriften für das Bewerbungsverfahren zu lockern. Das rief wiederum die Datenschützer auf den Plan.

 

Was kritisieren Datenschützer an Skype?

Zuerst einmal: nicht nur für Bewerbungsgespräche sehen Datenschützer den Einsatz von Skype kritisch. Mittlerweile gehört der Anbieter dem US-Konzern Microsoft. Jegliche Form von Kommunikation läuft über die Server des Unternehmens – ganz sicher nicht nur an Standorten, die unter ein europäisches oder vergleichbares Datenschutzniveau fallen. Microsoft kann auf die Daten der Skype-Nutzer zugreifen, diese offenlegen und aufbewahren. Der Dienst garantiert die Vertraulichkeit von Nutzerbeiträgen ausdrücklich nicht. Davor warnte die Berliner Beauftragte für Datenschutz in ihrem aktuellen Bericht. Sie empfiehlt, von der Nutzung von Skype in Bewerbungsverfahren generell abzusehen. Alternativ müsse das Einverständnis der Bewerber im Vorfeld schriftlich eingeholt werden – für die oberste Berliner Datenschützerin reicht selbst das nicht aus. Sie verweist darauf, dass dieses Einverständnis unter Umständen dem Druck geschuldet wäre, als Bewerber nicht schon im Vorfeld negativ aufzufallen. Auch könne eine Behörde den Bewerber gar nicht transparent informieren, da niemand wirklich wissen was Skype beziehungsweise Microsoft mit den Daten wirklich anstelle.

 

Gibt es Alternativen zu Skype?

Kritisch ist Skype in jedem Fall, in dem es um den Austausch personenbezogener Daten oder vertraulicher Informationen geht! Aus Datenschutzsicht ist daher ein unkontrollierter Einsatz der kostenlosen Version immer zu prüfen! Die Berliner Datenschutzbeauftragte rät beispielsweise auch schon für den Einsatz in Videokonferenzen, einen Anbieter mit Sitz in der Europäischen Union zu wählen. Problem: das Angebot ist dann nicht mehr kostenlos. Bei Skype for Business kann der Kunde entscheiden, über welche Serverstandorte die Kommunikation läuft. Kostenpflichtig sind auch die Angebote deutscher Unternehmen wie Connect4Video oder Unify. Natürlich garantiert nur der Standort aber noch keine Rechtssicherheit oder einen vollständigen Datenschutz. Sind personenbezogene Daten involviert ist der Anbieter im Vorfeld zu prüfen und vertraglich als Auftragsdatenverarbeiter zu verpflichten.

 

Datenschutz-Fazit Skype

Wem die Sicherheit der übertragenen Informationen am Herzen liegt, der verwendet Skype nicht. So einfach ist das. Spätestens für den Einsatz im Bewerbungsverfahren haben sich die Datenschutz-Aufsichtsbehörden klar negativ über die Verwendung geäußert.

Teile diesen Beitrag

Share on facebook
Share on google
Share on twitter
Share on linkedin
Share on pinterest
Share on print
Share on email